Fünf Generationen und über 160 Jahre Geschichte

Traditionelle Gastfreundschaft auf dem Hohen Säntis

Am 3. Mai 1846 begann der 35jährige Jakob Dörig «Schribes Jock» mit dem Bau einer einfachen Schutzhütte auf dem Hohen Säntis und begründete damit unsere Geschichte der Berggastronomie. Das war gleichzeitig auch die Gründung unserer Familientradition, welche mit nur vier Jahren Unterbruch und über fünf Generationen hinweg mit Hingabe die Gäste auf dem Säntisgipfel bewirtet.

 

«Schriibes Jock» und sein «Grand Hotel Thörig»

Im Laufe weniger Monate baute «Thörig» eine solide gemauerte Schutzhütte. Auf dem Türsturz prangte die ironische Aufschrift «Grand Hotel Thörig». Die Hütte bestand aus nur einem Raum mit Heulagerpritsche, welche acht Personen Platz zum Schlafen bot. Während der ersten Saison bediente Dörig gegen 600 Gäste. Die weniger frequentierten Tage benutzte er neben den stetigen Transportaufgaben zum Ausbau der Hütte.

Ausser der Luft zum Atmen sowie unbehauenen Steinen und Geröll musste alles zum Leben Notwendige in stundenlangen und oft gefährlichen Fussmärschen auf den Gipfel getragen werden. Einige der bekannten sogenannten Säntisträger bezahlten ihren strapaziösen Einsatz für das Wohl der Gäste mit dem Leben.

Bereits drei Jahre nach der Eröffnung verfügte Dörig über zwei Räume. Dem bereits bestehenden Schlafraum wurde eine Küche mit integrierter Gaststube angegliedert.

Im Frühling 1850 verkaufte Jakob Dörig die Schutzhütte auf dem Säntis und zog in seinem Gründungseifer auf den Hohen Kasten, wo er die dortige einfache Unterkunft zu einem Gasthaus ausbaute. 1857 errichtete er das Berggasthaus Ruhsitz und wenige Jahre später das Gasthaus Rebstock in Brülisau, wo er im Jahre 1884 starb.

 

Die beiden «Hansurchlis»

Nachfolger auf dem Säntis wurden nacheinander seine beiden Neffen, zuerst der 26jährige Josef Anton Dörig «Hansurchesepehanestönisebedon», der Ururgrossvater des heutigen Säntiswirtes. 20 Jahre später folgte dessen Bruder Andreas Anton Dörig «Hansurchlisrestoni». Sebedoni und Restoni Dörig erweiterten das Gasthaus wesentlich und fügten dem bestehenden Baukörper zwei Anbauten bei. Beide gingen, wie ihr Onkel, in die Geschichte anderer Berggasthäuser ein: Restoni war vor der Übernahme des Säntis Gastwirt und Senn auf der Ebenalp und Sebedoni erwarb 1862 das Berggasthaus Meglisalp, das er rund 45 Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1909 führte.

 

Am 1. September 1882 nahm die Wetterwarte auf dem Säntis ihren Betrieb auf. Bis zum Bau eines eigenen Gebäudes 1886 war die Wetterstation im Gasthaus untergebracht. Dies bedeutete, dass Andreas Anton Dörig als Wirt auch den Winter auf dem Säntis verbringen musste, um für Unterkunft und Verpflegung der Wetterbeobachter zu sorgen. Seine Kräfte wurden dadurch so sehr strapaziert, dass er bereits 1889 das Gasthaus aufgeben musste.

 

Anton Albert Rusch, Säntiswirt und Landammann (Präsident der Regierung)

Neuer Wirt wurde der damalige Schwender Hauptmann (Gemeindepräsident) Anton Albert Rusch, welcher an der Landsgemeinde 1892 zum Landammann von Appenzell Innerrhoden gewählt wurde und somit als höchster Amtsträger im Kanton auch auf dem höchsten Punkt desselben wohnte. Bereits knapp neun Monate nach seiner Amtsübernahme verstarb er jedoch plötzlich im Alter von erst 47 Jahren.

 

«Sebedonisbisch»

Seine Witwe verkaufte das Gasthaus im Herbst 1893 an den erst 23jährigen Johann Baptist Dörig «Sebedonisbisch» (1870–1937), den Sohn des früheren Säntis- und damaligen Meglisalpwirt Josef Anton Sebedoni Dörig. Damit kam das Berggasthaus Säntis nach nur vier Jahren wieder in den Besitz unserer Familie.

«Sebedonisbisch» prägte Betrieb und Aussehen des Berggasthauses Säntis in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Während rund 40 Jahren thronte und wirkte er mit seiner Frau und den zwölf Kindern auf dem Säntis. Im Laufe dieser langen Zeit erfolgten verschiedene Vergrösserungen und Umbauten. Am 21. Februar 1922 ereignete sich der tragische Doppelmord am Wetterwart-Ehepaar Heinrich und Helen Haas.

 

Familiengemeinschaft Dörig  und Eröffnung der Säntisbahn

1935, im Jahr der Eröffnung der Säntisschwebebahn, übergab Johann Baptist Dörig den Gastbetrieb an fünf seiner Kinder, die das Berggasthaus als Kollektivgesellschaft weiterführten.
 

 

Gleich nach der Geschäftsübergabe erfolgte ein grosszügiger Um- und Ausbau des Gasthauses, durch den das Gebäude seine heutige Form bekam. Der Bau der Seilbahn führte zu einem sprunghaften Anstieg der Gästezahl, welcher mit der Vergrösserung bewältigt werden konnte.

 

«Mällis Hans»
1972 übernahm Hans Manser «Mällis Hans», das zweitjüngste der zwölf Kinder von Maria Benedikta Manser Dörig «Bischedikte», zusammen mit seiner Frau Maria das Berggasthaus auf dem Säntis. Zuvor hatte er bereits 14 Jahre bei seinen Onkeln und Tanten gearbeitet.

Mit einem weiteren Um- und Neubau des Berggasthauses in den Jahren 1987/1988 erhielt das Haus sein heutiges Aussehen. Im Zuge dieses Umbaus wurde auch der Gasthaus-Saal  erneuert und von traditionsbewussten einheimischen Schreinern in ein stimmungsvolles Bjoux verwandelt.

 

Die fünfte Generation



Nach 47 Sommersaisons übergab Hans Manser die Verantwortung am 1. Jänner 2004 an seinen Sohn Ruedi und dessen Frau Claudia Manser-Abderhalden, welche seither das Berggasthaus Säntis in fünfter Generation führen. Auch sie investieren viel Zeit und Kapital in die Infrastruktur, wie dies schon die Vorfahren taten. 2007 erstellten sie ein grosses Wasserreservoir, welches in sommerlichen Trockenperioden die Existenz des Gasthauses und die Bewirtung der Gäste sicherstellt.

 

Der nächste Neubau  steht bevor

Im Frühjahr 2011 wurde der östliche Teil des Gebäudes komplett abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Nach einem Jahr Bauzeit, wurde pünktlich auf Mai 2012 der Um-und Neubau eröffnet.